Munisa.Orazmehr.1

OZAR YUSUPOV: KULTURELLES ERBE DER SAMANIDEN

Rede von Ozar Yusupov in Österreichisch-Tadschikische Kulturgemeinde in Wien
Datum: 01.05.2026

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste, liebe Freunde,

zu Beginn möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken.
Schön, dass Sie heute hier sind. Vielen Dank für Ihr Kommen – das bedeutet uns wirklich sehr viel.

Ein besonderer Dank gilt Frau Munisa Mursalzoda. Vielen Dank, dass sie sich Zeit für uns genommen hat und aus Deutschland zu uns gekommen ist.

Sie hat heute unsere Kultur auf eine sehr schöne Weise präsentiert – unter anderem durch traditionelle Kleidung, Musik und Tanz, durch ihre Worte und durch ihre Arbeit.

Was besonders beeindruckend ist: Man spürt, dass sie das mit persönlichem Interesse, mit viel Einsatz und vor allem mit Liebe macht.
Man sieht und fühlt, dass ihr das wirklich am Herzen liegt.

Es ist sehr schön zu sehen, mit wie viel Leidenschaft und Hingabe sie unsere Kultur lebendig hält und weitergibt.

Wir sind ihr deshalb von Herzen dankbar, dass sie sich so einsetzt und unsere Kultur auch hier in Europa sichtbar macht.

Unsere gemeinsame menschliche Aufgabe ist es, Brücken zwischen Menschen und Kulturen zu bauen.

Wir können zeigen, dass ein friedliches Zusammenleben möglich ist – wenn wir einander mit Respekt begegnen, einander zuhören und voneinander lernen.

Gleichzeitig möchten wir daran erinnern, dass wir – auch fern von unserer Heimat – respektvoll und offen gegenüber dem Land sein sollen, in dem wir heute leben, nämlich Österreich und Europa.
Denn Kultur bedeutet nicht nur Herkunft, sondern auch Zusammenleben.

Unsere Geschichte und unsere großen Dichter und Gelehrten haben uns immer Menschlichkeit, Wissen und Toleranz gelehrt.
Sie waren Vorbilder für ihre Zeit – und sie können auch heute noch Vorbilder für uns sein.

Heute hat Frau Mursalzoda uns auch das kulturelle Erbe der Samaniden nähergebracht und uns einen Einblick in diese bedeutende Epoche gegeben.

Nach der Eroberung Zentralasiens durch arabische Herrscher im siebten und achten Jahrhundert blieb die Region lange unter fremdem Einfluss.

Nach etwa zweihundert Jahren der Abhängigkeit konnten die Samaniden ein starkes und unabhängiges Reich gründen.

Die Samaniden gelten als eines der ersten großen selbstständigen Reiche in dieser Region und als wichtiger Beginn der frühen staatlichen Entwicklung der tadschikischen Geschichte.
Sie stärkten die Selbstständigkeit der Region und förderten besonders Kultur, Bildung und Wissenschaft.

Die Hauptstadt der Samaniden war Buchara.
Diese Stadt entwickelte sich zu einem der wichtigsten Zentren für Kultur, Wissenschaft und Literatur in Zentralasien.

In dieser Zeit wurde die persische Sprache wieder stark gefördert und weiterentwickelt und bildet eine wichtige Grundlage der heutigen tadschikischen Sprache.

Historiker betrachten die Zeit der Samaniden als eine Epoche des Fortschritts in vielen Bereichen – in Wissenschaft, Technik, Handel, Landwirtschaft und Kultur in Transoxanien und Chorasan.

Die Samaniden konnten in sozialen und kulturellen Bereichen ein günstiges Umfeld schaffen, in dem Gelehrte die Möglichkeit hatten, sich intensiv mit verschiedenen Wissenschaften der Welt zu beschäftigen – insbesondere mit den Kenntnissen des antiken Griechenlands und Roms sowie des alten Indiens und Chinas.

Die Samaniden lebten in einer Region, die ein Zentrum der Verbindungen war.
Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen trafen sich, lernten voneinander und tauschten Wissen aus.

Ein entscheidender Faktor dafür war die Lage des Reiches an der Seidenstraße.
Diese verband große Teile der damaligen Welt – von China und Indien im Osten bis nach Persien und Byzanz im Westen.

Über Handelswege reichten diese Verbindungen sogar indirekt bis nach Europa und Skandinavien.
Dort wurden zum Beispiel samanidische Silbermünzen gefunden.

So kann man sagen: Die Samaniden waren eine Brücke zwischen Ost und West.

Ein bekannter Reisender dieser Zeit war Ibn Fadlan, der im 10. Jahrhundert viele Regionen bereiste und unterschiedliche Kulturen beschrieb.
Er sagte sinngemäß:
„Ich habe viele Völker gesehen, und jedes hat seine eigene Art zu leben.“

Auch der große Gelehrte Al-Biruni, der im 10. und 11. Jahrhundert lebte und von dieser kulturellen Blütezeit beeinflusst wurde, sagte:
„Wissen entsteht durch das Verstehen anderer Kulturen.“

Diese Gedanken zeigen, wie wichtig Austausch zwischen Menschen und Kulturen schon damals war.

In dieser Zeit lebten auch viele bedeutende Persönlichkeiten:

Der Dichter Rudaki gilt als Vater der persischen Poesie.
Der große Wissenschaftler Avicenna (Ibn Sina) wurde von dieser kulturellen Blütezeit geprägt.
Auch Dichter wie Daqiqi und Ferdowsi wurden von dieser Epoche beeinflusst.

Die Samaniden haben all das möglich gemacht, indem sie Bildung, Wissenschaft und kulturellen Austausch gefördert haben.

Die Samaniden haben eine sehr wichtige Rolle in der Geschichte Zentralasiens gespielt.
Sie stehen für Bildung, Kultur, Offenheit und Selbstständigkeit.

Ihr kulturelles Erbe lebt bis heute weiter und erinnert uns an wichtige Werte wie Menschlichkeit, Respekt und Toleranz.
Und genau diese Werte sind auch heute für uns wichtig – besonders in einer vielfältigen Gesellschaft in Europa.

Ich wünsche uns allen eine Zukunft voller Frieden, Respekt und Zusammenhalt.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.